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Erinnerst du dich noch ...

 


. . . an den Schrecken deiner Kindheit?

 



Erinnerst du dich noch?
War es die Kellertreppe, dieser eine Absatz, den das Licht der Glühbirne oben an der Tür nie wirklich erreichte? Oder waren es die Türen da unten, von denen du nie wusstest, ob sie verschlossen waren ... Oder sich vielleicht ganz plötzlich öffnen würden, gerade wenn du an ihnen vorüber gingst? War es der Weg zwischen den Hecken hinter dem Spielplatz, den du allein gehen musstest, wenn du beim Spielen die Zeit vergessen hattest und es schon dunkel war? Dieses Rascheln darin, gerade dort, wo der Weg am engsten und die Hecke am dichtesten war? War es dieser kleine Steg über dem Bach, über den du musstest, wenn du dich für diese Abkürzung entschieden hattest, um noch pünktlich nach Hause zu kommen? War da nicht etwas im Wasser? Wollte da nicht etwas herauf, hinaus ... Zu dir?
Oder waren es die Schritte, die du hinter dir im Treppenhaus hörtest, wo das Licht nach drei Minuten ausging, immer genau dann, wenn man am Lichtschalter gerade vorbei war?
Waren es die seltsamen Geräusche in der Wohnung, dieses nächtliche Knarren und Knacken, das du gehört hast, wenn du ganz still in deinem Bett lagst ...? War es das Kratzen und Klopfen am Fenster? Das leise Wispern und Flüstern? War es die offene Schranktür in deinem Zimmer, bei der du hättest schwören können, dass sie zu war, als deine Mutter dir den Gutenachtkuss gab und das Licht ausmachte? Oder war es dieses seltsame Gefühl, nicht allein zu sein ...?
Was war der Schrecken deiner Kindheit? Weißt du es noch?
Oder hast du es vergessen? Erzählst du deinem Kind, dass das Knarren und Knacken von den alten Dielenbrettern stammt ... Oder von der Kommode im Wohnzimmer ... Dass es nur das Holz ist, das arbeitet? Erklärst du ihm, dass das Kratzen und Klopfen am Fenster nur Zweige sind, nichts weiter, genau wie das Wispern da draußen nur der Wind ist, der in den Büschen flüstert? Schaust du mit deinem Kind unters Bett, hinter die Tür, in den Schrank, um ihm zu beweisen, dass da nichts ist, wovor es sich fürchten muss? Sagst du zu deinem Kind, es soll nicht albern sein, es sei zu groß, um noch bei Licht oder offener Zimmertür zu schlafen?
Sagst du ihm, dass es keine Monster und Gespenster gibt? Glaubst du, dass es einfach nur eine blühende Fantasie hat, dass es sich Dinge einbildet, dass es etwas erfindet, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen, mehr Zuwendung? Wirst du manchmal ungeduldig und ärgerlich, wenn es zum zigsten Mal in der Wohnzimmertür steht, oder mitten in der Nacht vor deinem Bett und bei dir schlafen will? Fragst du dich manchmal, ob mit deinem Kind, so ängstlich im Dunkel, vielleicht etwas nicht stimmt?
Schüttelst du den Kopf darüber, dass dein Kind nicht in den Keller gehen mag, nicht bei Tag und schon gar nicht am Abend ... Und wenn, dann nur mit der Taschenlampe, in der auch ganz bestimmt neue Batterien sind? Und ermahnst du es, im Treppenhaus nicht immer so zu rennen?

Hast du es wirklich vergessen? Hast du vergessen, was du wusstest, als du klein warst?
Du wusstest so viel mehr als deine Mutter, dein Vater und all die Erwachsenen. Du wusstest damals, dass sie aus irgendeinem Grund nicht hören, nicht sehen und vor allem nicht fühlen konnten, was du sahst, hörtest und fühltest ... Du wusstest, dass sie sich irrten. Du hattest keine Angst vor der Dunkelheit ... Du hattest Angst vor dem, was in der Dunkelheit lauerte und wartete ... Und du wusstest, dass da etwas war. Du hast gewusst, dass da draußen vor dem Fenster jemand war, dass es Stimmen waren, die nach dir riefen ... Leise, ganz leise, kaum hörbar, ein Wispern und Flüstern ... Und es war nicht nur der Wind und es waren nicht nur die Zweige, die da an dein Fenster klopften. Nein, du hattest keine Angst vor dem Dunkel. Es war das, was sich dort in der Dunkelheit verbarg. Dieses Ding, das deine Eltern nicht sehen konnten. Und von dem sie sagten, dass du es dir nur einbilden würdest.
Du hast gewusst, du bist nicht allein ... Sondern allein mit dem Ding im Schrank, mit dem Ding unter deinem Bett, mit dem Ding im Schatten hinter der Tür. Unten im Keller, auf der Treppe im Hausflur - Du konntest es fühlen ... Du konntest es hören und beinahe sogar sehen ... Aber du hast nie genau hingesehen, weil du auch wusstest, wenn du es erst einmal wirklich gesehen hättest, dann wäre alles zu spät gewesen, es hätte sich auf dich gestürzt ... Denn es hat immer darauf gewartet, dass du hinschaust und es erkennst ... Die ganze Zeit ...
Und du hast gewusst, wenn du nicht auf einer bestimmten Stufe, auf einem bestimmten Treppenabsatz bist, bevor das Dreiminutenlicht im Hausflur ausgeht ... Dann, dann ganz bestimmt stürzt sich dieses Ding dort im Dunkeln auf dich. Es ist genau hinter dir ... Es schleicht hinter deinem Rücken über die Kellertreppe ... Es hockt hinter einer der Türen da unten ... Es kriecht in der Hecke herum, bereit nach dir zu greifen und dich zu packen ... Dreh dich nicht um ... Sieh nicht hin ... Es ist dort, genau hinter dir ... !
Du hast dich immer gefragt, wieso deine Eltern nicht wissen, dass du dich nicht grundlos fürchtest. Und wieso sie nicht verstehen, warum du das Licht im Flur brauchtest ... Oder die spaltbreit offene Zimmertür. Weißt du es jetzt? Weil aus Kindern Erwachsene werden. Und Erwachsene sind blind und taub für all die Dinge, die Kinderaugen sehen und Kinderohren hören. Sie werden älter und vom Leben eingefangen, und irgendwann sind all die Dinge, die sie einmal wussten, nur noch Erinnerungen, blass und unbedeutend wie alte Fotografien, die auf dem Dachboden vor sich hin vergilben. Sie wissen es nicht, weil sie es vergessen haben. So einfach ist das. Sie haben ihn vergessen, den Schrecken ihrer Kindheit, so wie ihre Eltern vor ihnen ihn vergessen haben ... Genau wie du ihn vergessen hast ... Aber dir ist doch klar, dass Dinge nicht einfach verschwinden, nur weil man sie vergisst?
Sie bleiben.Sie sind trotzdem da. Und vielleicht starrt dein Kind gerade jetzt in die Dunkelheit, und was da aus der Dunkelheit zurückstarrt ...

Erinnerst du dich?
Erinnerst du dich?




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